Bis Ende Juni 2020 haben die BUBER-DORÁTI-Repetitoren unter Leitung von Martin Fischer-Dieskau eine Gesamtaufnahme des Werks Der Künder von Antal Doráti mit Klavierbegleitung erstellt. Internationale Gesangssolisten aus Israel und Deutschland, die an verschiedenen europäischen Opernhäusern beschäftigt sind, werden sich an der Seite von Mitgliedern des Rundfunkchors Berlin und des RIAS Kammerchors erstmals mit den diversen Rollenanforderungen beschäftigen. Dieses Tondokument dient als klanglicher Anhaltspunkt und vermittelt dem Regieteam grundlegende musikalische Eindrücke des Werks.

Die Operngeschichte der Stadt Prag mit ihren drei historisch relevanten Häusern ist legendär. Das BUBER DORÁTI FESTIVAL rückt Bubers einziges Bühnenwerk in der Vertonung des Weltdirigenten Antal Doráti erstmals in einen internationalen Blickpunkt, durchdrungen von dem Bewusstsein, dass Buber bereits im Jahre 1910 seine ersten Drei Reden über das Judentum für diese Stadt konzipierte und mit ihnen eine erste Prager Gefolgschaft generieren konnte, darunter Persönlichkeiten wie Schnitzler, Hofmannsthal und Kafka.

2021 steht in Jerusalem die lang erwartete Eröffnung des Museum of Tolerance bevor. Mit seiner innovativen Architektur bietet es dem Monumentalwerk Der Künder ein sensationelles Präsentationsforum. Es wurde errichtet als ein Ort des Dialogs auf politisch umstrittenem Baugrund. Für Bubers überzeugtes Postulat einer jüdisch-arabischen Integration erscheint es als geradezu idealer Aufführungsort für unseren Opernstoff.

Kein anderer Akteur der internationalen Musiktheaterszene könnte geeigneter erscheinen, sich dieser Herausforderung zu stellen als Achim Freyer. Ein Mann von immensem Talent als Künstler und Bühnenrealisator, inzwischen vor allem aber auch als Vermittler übergreifender Lebensweisheit, scheint prädestiniert, uns den biblischen Stoff in seiner philosophisch-politischen Weitsicht nahezubringen. Das Jahr 2020 dient der Erarbeitung aller notwendigen Bühnenkonzeptionen, der Vergabe und Einstudierung aller zwölf solistischen Partien der Oper und des Chores, den Beginn der Herstellungsarbeiten der Dekorationen sowie der Koordination aller unserer Konferenzteilnehmer. Außerdem wird über die besondere Art und Weise der Integration eines Konzertprogramms (Sofia Gubaidulina: Dialog: Ich und Du nach Martin Buber für Violine und Orchester 2018) entschieden werden.

2021: Die intensive Probenphase in Berlin beginnt. Achim Freyers Konzeptionen werden zunächst von seinem Team mit den Solisten – darunter vier internationale Sänger aus Deutschland und Israel – erarbeitet, bevor der Meister selbst auch an den drei sehr unterschiedlichen Aufführungsstätten vor Ort einer sehr speziellen Präsentation des Doráti/Buber-Werkes Form und Inhalt geben wird. Der Dirigent Martin Fischer-Dieskau macht das Galilee Orchester in Israel mit den intrikaten Besonderheiten von Antal Dorátis Partitur in einer nicht geringen Zahl von sogenannten Orchester-Allein-Proben vertraut. Die Musiker konnten ihre herausragende Kompetenz in der jüngeren Vergangenheit mit Künstlern wie Saalem Abboud Ashkar, Sir András Schiff oder Lynn Harrell unter Beweis stellen.

Jetzt geht man in die Phase des Zusammenführens aller Elemente bei den Bühnen-Orchester-Proben, den ›BOs‹ des Bühnenjargons. An deren Ende stehen schließlich Haupt- und Generalprobe, beide bereits in Kostüm und Maske.

Nach den ersten vier Präsentationen des etwa zweieinhalbstündigen Opernwerks in Jerusalem und Prag tritt das gesamte Ensemble noch eine Reise nach Berlin an. Hier soll die Produktion mit weiteren zwei Vorstellungen an einer ausgewählten Institution der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Unser Partner in Israel ist das Team von TADMORE ENTERTAINMENT ISRAEL unter Emilio Schenker und Ella Flexer (verantwortlich für die Ausgestaltung des ESC 2019 in Israel), die in Absprache und Kooperation mit der ›Israeli Opera‹ Freyers Regie auf die Bühne des Amphitheaters im Museum of Tolerance zaubern werden. Die Musiker des Galilee Orchesters müssen für unsere israelischen Darbietungen den besonderen akustischen Verhältnissen der innovativen Bühnensituation im Museum of Tolerance entsprechend platziert werden. In zwei Festivalaufführungen und einer Sondervorstellung für Kinder und Jugendliche wird Dorátis und Bubers Oper Der Künder zu Beginn des Monats September seine Weltpremiere in Jerusalem erleben. Als tatkräftiger Unterstützer alle Reisemodalitäten nach Prag und Berlin betreffend steht uns die TAL AVIATION GROUP in Tel Aviv zur Verfügung.

An einem der Ruhetage zwischen den Aufführungen findet die große internationale Konferenz zum Thema ›Jüdische Integration und internationales Musiktheater‹ in Berlin statt. Hier kommen führende Wissenschaftler der Universitäten von Chicago, Jerusalem, Berlin, München und Düsseldorf an einem publikumswirksamen Tagungsort in Berlin zusammen, um einer interessierten Öffentlichkeit Einblick in die komplexen Synergien von Politik und Musiktheater zu gewähren. Grundlage sind die Forschungsergebnisse der neuen kritischen Gesamtausgabe aller Werke Martin Bubers bei Bertelsmann/Random House unter der Leitung von Paul Mendes-Flohr und Bernd Witte.