Bis Ende April 2020 haben die BUBER-DORÁTI-Repetitoren unter Leitung von Martin Fischer-Dieskau eine Gesamtaufnahme des Werks Der Künder von Antal Doráti mit Klavierbegleitung erstellt. Internationale Gesangssolisten aus Israel und Deutschland, die an verschiedenen europäischen Opernhäusern beschäftigt sind, werden sich an der Seite von Studierenden der UdK Berlin erstmals mit den diversen Rollenanforderungen beschäftigen. Dieses Tondokument dient als klanglicher Anhaltspunkt und vermittelt dem Regieteam grundlegende musikalische Eindrücke des Werks.

In der ukrainischen Metropole Lviv/Lemberg steht ein prachtvolles Opernhaus aus der k.u.k. Periode Österreichs, das seit seiner Eröffnung im Jahre 1900 nicht weniger als vier nationale Staatlichkeiten durchlebt hat. Es ist heute der Stolz der Ukraine, nachdem die ›versunkene Mitte Europas‹ zunächst polnisch und später russisch geworden war. Das österreichische Lemberg war die Stadt, in der der Wiener Martin Buber seine Adoleszenz verbrachte und hier entscheidende Impulse für seine Studien zur Welt der >Chassidim< empfing. Das BUBER DORÁTI FESTIVAL rückt Bubers einziges Bühnenwerk in der Vertonung des Weltdirigenten Antal Doráti erstmals in einen internationalen Blickpunkt, durchdrungen von dem Bewusstsein, dass eben jenes kaiserliche Opernhaus auch Buber selbst bereits erste musiktheatralische Eindrücke gewährt haben mag.

2021 steht in Jerusalem die lang erwartete Eröffnung des Museum of Tolerance bevor. Mit seiner innovativen Architektur bietet es dem Monumentalwerk Der Künder ein sensationelles Präsentationsforum. Es wurde errichtet als ein Ort des Dialogs auf politisch umstrittenem Baugrund. Für Bubers überzeugtes Postulat einer jüdisch-arabischen Integration erscheint es als geradezu idealer Aufführungsort für unseren Opernstoff.

Kein anderer Akteur der internationalen Musiktheaterszene könnte geeigneter erscheinen, sich dieser Herausforderung zu stellen als Achim Freyer. Ein Mann von immensem Talent als Künstler und Bühnenrealisator, inzwischen vor allem aber auch als Vermittler übergreifender Lebensweisheit, scheint prädestiniert, uns den biblischen Stoff in seiner philosophisch-politischen Weitsicht nahezubringen. Das Jahr 2020 dient der Erarbeitung aller notwendigen Bühnenkonzeptionen, der Vergabe und Einstudierung aller zwölf solistischen Partien der Oper, des Chores der ukrainischen Nationaloper in Lviv/Lemberg, den Beginn der Herstellungsarbeiten der Dekorationen sowie der Koordination aller unserer Konferenzteilnehmer. Außerdem wird über die besondere Art und Weise der Integration eines Konzertprogramms

(Sofia Gubaidulina: Dialog: Ich und Du nach Martin Buber für Violine und Orchester 2018) entschieden werden.

2021: Die intensive Probenphase an der Oper Lemberg beginnt. Achim Freyers Konzeptionen werden zunächst von seinem Team mit den Solisten – darunter vier  internationale Sänger aus Deutschland und Israel – erarbeitet, bevor der Meister selbst vor Ort einer sehr speziellen Präsentation der Oper Form und Inhalt geben wird. Der Dirigent Martin Fischer-Dieskau macht das Orchester mit den intrikaten Besonderheiten von Antal Dorátis Partitur in einer nicht geringen Zahl von sogenannten Orchester-Allein-Proben vertraut. Musikchef Ivan Cherednichenko steht ihm dabei zur Seite.

Jetzt geht man in die Phase des Zusammenführens aller Elemente bei den Bühnen-Orchester-Proben, den ›BOs‹ des Bühnenjargons. An deren Ende stehen schließlich Haupt- und Generalprobe, beide bereits in Kostüm und Maske.

Nach zwei, maximal drei Premierenabenden in Lemberg tritt das gesamte Ensemble seine Reise nach Berlin an. Hier soll die Produktion mit zwei Vorstellungen in einem Berliner Theaterhaus unserer Wahl der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Unser Partner in Israel ist das Team von TADMORE ENTERTAINMENT ISRAEL unter Emilio Schenker und Ella Flexer (verantwortlich für die Ausgestaltung des ESC 2019 in Israel), die in Absprache und Kooperation mit der ›Israeli Opera‹ Freyers Regie auf die Bühne des Amphitheaters im Museum of Tolerance zaubern werden. Die ukrainischen Musiker müssen für unsere israelischen Darbietungen den besonderen akustischen Verhältnissen der innovativen Bühnensituation im Museum of Tolerance entsprechend platziert werden. In zwei Festivalaufführungen und einer Sondervorstellung für Kinder und Jugendliche wird Dorátis und Bubers Oper Der Künder etwa in der Mitte des Monats September seine Weltpremiere nach Lviv/Lemberg also auch in Jerusalem erleben. Als tatkräftiger Unterstützer alle Reisemodalitäten betreffend steht uns die TAL AVIATION GROUP in Tel Aviv zur Verfügung.

An einem der Ruhetage zwischen den Aufführungen findet die große internationale Konferenz zum Thema ›Jüdische Integration und internationales Musiktheater‹ in Berlin statt. Hier kommen führende Wissenschaftler der Universitäten von Chicago, Jerusalem, Berlin, München und Düsseldorf an einem publikumswirksamen Tagungsort in Berlin zusammen, um einer interessierten Öffentlichkeit Einblick in die komplexen Synergien von Politik und Musiktheater zu gewähren. Grundlage sind die Forschungsergebnisse der neuen kritischen Gesamtausgabe aller Werke Martin Bubers bei Bertelsmann/Random House unter der Leitung von Paul Mendes-Flohr und Bernd Witte.